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Didaktische Überlegungen |
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Einige vorläufige Überlegungen zur Konzeption und Nutzung von Typograph
Typograph hat von der Konzeption her einerseits einen eher lexikalischen Charakter, wobei Dinge beschrieben und erläutert werden, die mir für die Beschäftigung mit dem Themenkomplex Typographie - Layout - Schrift wichtig erschienen. Die Nutzung als Glossar erfolgt beim Typograph mittels des Navigationsframes Inhaltsdarstellung: alphabetisch, wodurch ca. 260 Schlagworte erfasst werden, doch kann die Suche noch detaillierter gestaltet werden mittels der Suchfunktion.
Andererseits geht das Projekt aufgrund des strukturierten Charakter des Materials über die Dimension eines Lexikons hinaus, da das Material einer sachlogischen Strukturierung unterworfen wurde, wobei unter verschiedenen Rahmenthemen - in mehr oder weniger aufbauender Form - zugehörige Sachaspekte dargestellt werden. Dieser Struktur, die in Typograph angezeigt wird unter Inhaltsdarstellung: strukturiert, kann man folgen, indem man entweder in der strukturierten Inhaltsdarstellung die jeweiligen Seiten systematisch aufruft, oder indem man den in der Kopfzeile der Haupseiten befindlichen Vorwärts-Button drückt. Neben dieser Einarbeitung thematisch orientierter Lesepfade wurde der Übersichtlichkeit willen thematisch Zusammengehöriges oft auf einer Seite behandelt. Wenngleich jeder Versuch einer Strukturierung tendenziell dem Charakter von Hypertexten entgegenläuft, scheint mir eine solche dennoch sinnvoll, um so der Gefahr des Sichverlierens im Hypertext-Dschungel ein wenig zu begegnen und ein eigenständiges Lernen tendenziell zu ermöglichen.
Wie sieht es nun konkret mit der Nutzung von Typograph als "Typographie-Kurs" aus? Die Frage soll hier nicht aus der Perspektive des privaten Selbststudiums angegangen werden, sondern zu fragen wäre, inwiefern und unter welchen Bedingungen ein Einsatz im schulischen Kunstunterricht (der sich laut Rahmenrichtlinien ja auch den Sachbereichen 'Gestaltete Umwelt' und 'Massenmedien' öffnen sollte, wobei der hier verhandelte Themenkomplex diesen Sachbereichen zuzuordnen wäre) möglich oder gar sinnvoll erscheinen könnte.
Um vorweg einem möglichen Mißverständnis zu begegnen: Typograph ist sicherlich kein Kurs im Sinne einer fertig ausgearbeiteten Unterrichtseinheit für ein Kurshalbjahr. Im Rahmen eines solchen scheint er mir - je nach Klassenstufe und inhaltlicher Ausrichtung des Unterrichts - jedoch als ein (!) Element (neben anderen) einsetzbar. Hierzu einige Überlegungen:
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Aufgrund der Komplexität und des Umfangs des Materials sollte in jedem Fall eine Eingrenzung des von Schülern zu bearbeitenden Gebiets erfolgen. Eine solche kann aus dem konkreten Arbeitsvorhaben erwachsen oder aber sich an der Inhaltsstruktur von Typograph orientieren. Als hilfreich hat sich auch der Versuch erwiesen, explizit die Seiten zu benennen, die zu "lernen" waren und deshalb von solchen abgegrenzt wurden, die nur der eventuellen Konsultation im Bedarfsfalle dienten.
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Aus der Komplexität und dem Umfang des Materials folgt auch die Notwendigkeit einer Eingrenzung der Altersgruppen, die man mit Typograph arbeiten lassen kann. Ein sinnvoller Einsatz scheint mir ab Jahrgangsstufe 11 möglich, doch sehr eng umrissene Aspekte sind auch ab Klasse 9 bearbeitbar.
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Auch muß man sich darüber klar sein, daß durch die Arbeit mit Typograph allenfalls Grundkenntnisse in dem Sinne erworben werden, daß man bestimmten Begriffen eine Bedeutung zuordnen kann und evtl. auch etwas mehr Sensibilität im Umgang mit ästhetischen Sachverhalten gewonnen hat. Unerläßlich ist jedoch die Anwendung des Gelernten an konkretem Material (für solche Transfers benutze ich weiterhin traditionelle, "bewährte" Materialien), wobei im Rahmen der Rezeption von graphischen Erzeugnissen sich wiederum die Notwendigkeit des Nachschlagens im Typograph ergeben kann. (... oder auch die praktisch-produktive Aufgabe einer "besseren" Gestaltung erwachsen kann.)
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Will man mit Schülern im Rahmen einer Unterrichtseinheit z.B. Layout-Arbeiten oder anderes am Computer durchführen, steht man mitunter vor dem Problem, daß ein Teil der Schüler keinerlei (!) Erfahrung im Umgang mit Computern bzw. mit dem Betriebssystem Windows oder gar mit Standard-Software besitzt und schon bei einfachsten Aktionen wie dem Laden oder Speichern eines Dokuments in panische Reaktionen ausbricht. Bezüglich solcher Schüler besteht die Notwendigkeit eines langsamen Herangehens und Vertrautwerdens mit dem Hilfsmittel Computer, wobei die Benutzung einer einfach strukturierten und ebenso leicht zu bedienenden Software wie dem Typograph entsprechende Ängste abzubauen helfen kann. Insofern bietet sich der Einsatz des Typograph besonders in der Frühphase einer - zumindest zum Teil durch Computereinsatz gekennzeichneten - Unterrichtseinheit an.
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Ein Einsatz vor allem zu Beginn einer Unterrichtseinheit ermöglicht zudem einen relativ schnellen Erwerb von Grundkenntnissen, u.z. nicht nur bzgl. der Bedienung des Computers (vgl. oben), sondern auch und vor allem inhaltlicher Art: Die Schüler werden mit Grundbegriffen, Sachverhalten etc. vertraut und für graphische, ästhetische Sachverhalte sensibilisiert (oftmals erscheinen Schülern zu Beginn einer Unterrichtseinheit bspw. sämtliche Antiqua-Schriften nur als "Druckschriften", die sich zudem für's ungeübte Auge auch kaum zu unterscheiden scheinen ...).
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Das individuelle Arbeiten mit dem Typograph erlaubt Schülern das Beschreiten individueller, selbst gewählter Lernwege, wodurch zudem ein der eigenen Lernprogression angepaßtes individuelles Lerntempo ermöglicht wird. Unter dem Aspekt der Zeitökonomie könnte das Lernen mittels des Typograph gegenüber traditionellen Lernformen insofern effizienter sein, v.a. eröffnet es angesichts der individuellen Lerntempi eher Möglichkeiten der Binnendifferenzierung innerhalb der Lerngruppe.
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Die Möglichkeit der individuellen Gestaltung von Lernweg und Lerntempo kann sich hinsichtlich der Arbeitshaltung positiv auf die Motivation der Lernenden auswirken, was evtl. durch erste Erfolgserlebnisse bei der Beherrschung des Computers (vgl. oben) verstärkt werden könnte.
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Hüten sollte man sich vor der Illusion, mit dem Typograph arbeitende Schüler würden still vor-sich-hin-klicken und man könne als Lehrer in Ruhe den wohlverdienten Kaffee trinken. Unerläßlich ist je nach Schüler mehr oder weniger intensive Betreuung (und ich habe diese Hilfestellungen phasenweise als sehr viel belastender als "klassischen" Unterricht empfunden ...).
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Eine isolierte, nicht in einen größeren Unterrichtszusammenhang eingebundene Nutzung des Typograph scheint mir nicht sinnvoll zu sein. Eine bspw. einsemestrige Beschäftigung mit dem Themenkomplex Typographie-Layout-Schrift dürfte nicht nur dem Erwerb der Begrifflichkeiten dienen (hierzu evtl. Benutzung des Typograph), sondern müßte eine Ergänzung finden durch verschiedenste rezeptive und ästhetisch-produktive Vorhaben. Da insbesondere letztere erst den Einsatz des Computers im Kunstunterricht sinnvoll erscheinen lassen, sei hier kurz auf die mittels Layout(DTP)-, Zeichen- und Bildbearbeitungs-Programmen eröffneten Gestaltungsmöglichkeiten verwiesen. Vielfältige Anregungen erhält man diesbezüglich durch eine vom BDK herausgegebene Publikation, nämlich J. Kirschenmann u. J. Peez (Hg.): Chancen und Grenzen der Neuen Medien im Kunstunterricht,Hannover [BDK-Verlag] 1998. Bezüglich des hier behandelten Themenkomplexes sei auch noch auf die Möglichkeiten der Schriftherstellung und -gestaltung verwiesen (ein gutes Programm hierfür ist der Type-Designer - angesichts der vielfältigen Kurvenfunktionen vielleicht im interdisziplinären Projekt mit einem Mathematik-Kollegen?). Voraussetzung für derartiges Arbeiten ist natürlich eine entsprechende Hard- und Software-Ausstattung der Schule. Wünschenswert wäre sicherlich auch das Ins-Netz-Stellen von konkreten Gestaltungsaufgaben, Klausurbeispielen etc., aber damit tue ich mich aus naheliegenden Gründen etwas schwer ...
Feedback erwünscht.
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