Renaissance-Garten    Der Garten der Renaissance ist aufgrund seines Entstehungslandes zunächst ein italienischer Garten. Die in allen Künsten und den Geisteswissenschaften vollzogene Rückbesinnung auf Formen, Werte und Denksysteme der Antike ist auch in der Gartenbaukunst Italiens im 15. und 16. Jahrhundert zu beobachten. Merkmale der antiken Gärten aufgreifend und diese in humanistischem Denken fortentwickelnd entstanden unterschiedlichste Gartenanlagen, die die Gartenbaukunst Nordeuropas beeinflussten und in Italien selbst in die Villeggiatura mündeten. Die ästhetischen Merkmale des italienischen Renaissance-Gartens, der auch den Repräsentationsbedürfnissen des städtischen Großbürgertums zu genügen hatte, lassen sich idealtypisch so umreißen: An eine standesgemäße Villa, der seitlich ein Giardino segreto beigefügt ist, schließt sich ein größerer, Besuchern offenstehender Garten an, der primär Lustgarten ist, doch auch durchaus Elemente des Nutzgartens aufweisen kann. Teilweise finden sich schattenspendende Pergolen oder Treillages, Akzentuierungen durch Topiaria, mitunter auch Wasserbassins, Giochi d'acqua, Grotten u.ä. In jedem Fall wird der Garten unterteilt in großflächige Compartiments, die zwar in ein übergeordnetes Gliederungssystem in Form von Achsen eingebunden sind, doch eher additiv nebeneinander existieren, als denn einer Gesamtkonzeption zu folgen. An die Villa grenzen (oft vier) Parterres an, die als Parterre all'italiana zumeist durch Carrés strukturiert sind, die ihrerseits stark geometrische Grundformen (wie Quadrate, Rechtecke, Diagonalen, Kreise) aufweisen. Komplexere Strukturen zeigen Parterre-Entwürfe von Sebastiano Serlio (1475-1554), die Elemente des Labyrinths vorwegnehmen, aber auch die für die Renaissance typischen Knoten-Parterres. Aufgrund des Formenrepertoires und des Pflanzenbeschnitts wird deutlich, dass der Renaissance-Garten zur Gruppe der geometrischen Gärten gehört. Was seine inhaltliche Ausrichtung anbelangt, so zielt er auf etwas Ideales, Harmonisches ab, wie etwa die Gartenkonzepte in Francesco Colonnas Hypnerotomachia Poliphili (1499) deutlich machen. Der bewusste Verstoß gegen das Gebot einer harmonischen Gestaltung, der z.B. in schiefen Gebäuden (Sacro Bosco in Bomarzo; vgl. Abb. Folie) oder überdimensionierten Masken (Gardini Giusti in Verona, vgl. Abb. Belvedere) zum Ausdruck kommt, zeichnet denn auch den manieristischen Garten der Spät-Renaissance aus.

 

 

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